Eine Sprache, die fast zum Anfassen ist. Schwarz, funkelnd und zähflüssig, wie ein Rinnsal von Öl, das sich über die weißen Buchseiten schlängelt.

Johanne Lykke Holm
ROTE SONNE
268 Seiten
aki Verlag
ISBN 978-3-311-35019-4

In Rote Sonne erzählt Johanne Lykke Holm von Gemeinschaft und Familie, von Fürsorge und Verantwortung, aber auch von drohender Gewalt und Unheimlichkeiten, von Versehrungen, die Menschen ein Leben lang prägen:

Ein brütend heißer Sommer in einer schmutzigen, trägen Stadt am Fluss. India arbeitet an der Universität dieser Stadt und lebt gemeinsam mit ihrem Freund Kallas in einem Wohnkomplex mit Parkanlage. Da lädt Desma, eine Freundin aus Kindertagen, das Paar in ihr großes Haus am Meer ein, und die beiden fahren hin. Dort angekommen, legt sich jedoch eine seltsame, unheimliche Stimmung über die scheinbare Urlaubsidylle. Im Radio wird von verschwundenen Kindern berichtet, ein Mann ertrinkt fast beim Baden, Feuer wüten in der näheren Umgebung. Eines Nachts tauchen drei Kinder auf, die allein sind und nirgendwo hin können. Desma bietet den Kindern Unterschlupf für die Nacht, aber als sich der Waldbrand weiter ausbreitet, sind sie gezwungen, länger zu bleiben. Die Dinge verkomplizieren sich, als India und Kallas eine liebevolle und fürsorgliche Beziehung zu den Kindern aufbauen und letztlich vor der Frage stehen, wem Kinder eigentlich gehören, ob sie überhaupt jemandem gehören.


 
 

Das Buch ist im aki Verlag erschienen, ein Imprint des Kampa-Verlags, von dem ich gerade hin und weg bin, jedes einzelne Buch - es erscheinen jedes Jahr im Herbst 5 Stück - ist ein Juwel. Z. B. PUSZTAGOLD von Clara Heinrich, das uns im Dezember im Literatursalon alle restlos begeistert hat. Und ich will heuer alles von Deborah Levy lesen!

Das sagt Ann Kathrin Doerig, die Gründerin des Verlags:

„Auf den Verlagsnamen AKI bin ich gekommen, weil es mein Kindername war“. Sie habe ihn sich selbst gegeben, als sie ihren vollen Namen noch nicht aussprechen konnte. „Diesen Akt des Selberbenennens, sich einen Namen und eine Geschichte zu geben und zu sagen: ‚So möchte ich genannt werden, das ist meine Geschichte. Als Frau, als Mensch, finde ich das immer noch unheimlich kraftvoll und wichtig, auch wenn ich heute nicht mehr so gern Aki genannt werde. Und diese Idee passt zu unserem Programm und den verschiedenen Stimmen, die sich darin finden.“

Wie durch Zufall – oder auch nicht? – habe der Name weitere schöne Bedeutungen: Auf Griechisch bedeutet AKI das Kleine, Ausgewählte, und der AKI Verlag steht für ein kleines, ausgewähltes Programm. Das Wort klingt fast wie das spanische „aquí“, also „hier“. Gegenwärtig, bewusst im Hier und Jetzt – auch das sollen die Bücher des AKI Verlags sein. Und auf Japanisch heißt AKI „funkeln“, „hell“ und „leuchten“ – und Herbst. Im AKI Verlag erscheint nur ein Programm im Jahr – immer im Herbst.

„Mehr Zeit für die Auswahl der Titel, mehr Zeit für die Übersetzungen, mehr Zeit für Gestaltung und Lektorat. Das war die Vision, und so soll es bleiben.“

Ein kleines, gewichtiges Programm – und ein Plädoyer für mehr Zeit

„Dieses Programm ist aus einer wirklich großen Sehnsucht entstanden. Der Sehnsucht nach weniger. Nach Büchern, die Zeit haben, sich zu entfalten“, sagte die Verlegerin.

Sie lege Wert auf die Eigenwilligkeit der literarischen Stimmen, und zugleich auf die Universalität ihrer Geschichten. Auch die Übersetzerinnen und die Autorinnen der Vor- und Nachworte seien mit großer Sorgfalt gewählt geworden. Die Coverabbildungen der Bücher stammten von prominenten Künstlerinnen. So seien Kunstwerke fürs Regal entstanden.

Weitere Informationen unter: akiverlag.com

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Der lebende Beweis